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Objektive für die Höhle Teil 1

Nachdem ich nun schon öfter gefragt wurde, welche Objektive ich benutze, und warum, möchte ich in dieser Reihe diese Frage genauer beleuchten.
Auswahlkriterien: Brennweite und Lichtstärke

Einleitung

Im Folgendem möchte ich ein paar Anregungen geben, auf was bei Objektiven für Höhlenphotographie geachtet werden sollte.
Ich möchte hier meine Erfahrungen aus der Praxis näherbringen, und keine Grundbegriffe oder rein technische Fragen erörtern.

Brennweite

Welche Brennweiten sind für Höhlen geeignet?

objektive 1Wie viele Höhlenphotographen benutze ich meistens ein Weitwinkel- Objektiv, um möglichst viel der Höhle einfangen zu können.
Je kleiner die Brennweite (Achtung: wir reden hier nicht über Fish-Eyes!) desto besser. Allerdings neigen Objektive mit kleine Brennweiten meist zu starker tonnenförmiger Verzerrung (barrel distortion) an den Rändern.
Ist man

sich dieser Verzerrungen am Rand bewusst, kann diese zwar kreativ in Bildern nutzen, aber in der Vielzahl der Bilder wird diese Verzerrung eher als störend empfunden.
Für Nahaufnahmen von Sinter- Formationen und Höhlen Fauna ist ein Weitwinkel nicht geeignet. Hierfür werden größere Brennweiten benötigt.

Dabei ist es wichtig, dass das Objektiv eine Macro-Funktion besitzt, da nur so akkurate und vor allem scharfe Nahaufnahmen gelingen können.
Wählt man eine mäßige Brennweite um die 55-80mm (Kleinbild, entspricht bei DSLR Objektiven ca. 35-50mm), kann man das zusätzlich mitgenommene Objektiv auch für große Gangpassagen benutzen und so eine weitere Perspektive in sein Repertoire aufnehmen.

Festbrennweite oder Zoom-Objektiv?

Als Höhlen ‚Immerdrauf‘ (also das Standard Objektiv) eignet sich sicherlich ein Weitwinkel- Zoom. Es ermöglicht dem Photographen mit der Brennweite zu spielen, und so dem langweiligem ‚Einheitsphoto‘ vorzubeugen.
Wie bei jedem Zoom-Objektiv sollte man darauf achten, dass die Grenzbereiche (um die größte und kleinste Brennweite) meistens stark verzerren und/oder sich Vignettierungen bilden.
Festbrennweiten sind meist sehr Lichtstark, was in Höhlen eigentlich keine zu große Rolle spielen sollte (siehe ‚Lichtstärke‘ weiter unten).
Wenn man die Objektive auch außerhalb von Höhlen benutzen möchte, ist die Anschaffung einer Festbrennweite sicher eine Überlegung wert, zu mahl die Auswahl an qualitativ hochwertigen Macro-Objektiven mit Festbrennweiten weitaus größer erscheint.

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Lichtstärke der Objektive

Überblick

Lichtstarke Objektive sind sehr kostspielig. Wie stark die Auswahl von Höhlenobjektiven daher von der Lichtstärke abhängen sollte, möchte ich im Folgendem beleuchten.
Wofür benötigt man noch mal eine hohe Lichtstärke (kleiner Blendwert)?
Ein kleiner Blendwert wird benötigt, wenn man möglichst kurze Belichtungszeiten realisieren möchte, um z.B. Menschen in Bewegung scharf abzulichten, vor allem bei der Verwendung von Tele-Objektiven.
Auch in der Photokunst werden teils kleine Blendwerte eingesetzt um z.B. den Hintergrund stark verschwimmen zu lassen, und so das Objekt stark in den Betrachtungsfokus zu setzten. Außerdem wird der Autofokus einer DSLR mit Lichtstarkem Objektiv besser funktionieren.

Also hohe Lichtstärke für Höhlen?

Wie gerade erläutert, gibt es gute Gründe sich für ein lichtstarkes Objektiv zu entscheiden, aber speziell für die Höhlen-Photographie haben diese Objektive auch Nachteile:
Zum einem sind lichtstarke Objektive wirklich teuer, und wer will schon ein Vermögen mit in lehmige Höhlen schleifen? Außerdem bringen sie noch ein, rein praktisches Problem mit sich. Die hochvergüteten Linsen sind schwer und groß. Daher sind lichtstarke Objektive immer schwerer und größer als ihre ’normalen‘ Pendants. Für einen kleinen Tagestrip mag dieses Problem trivial erscheinen, aber denkt an Expeditionen oder mehrtägige Höhlentouren bei denen jedes Gramm zählt.

Lichtstärke für die Höhlenphtographie

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Da ich bei 90% aller Höhlenfotos eine starke Tiefenschärfe bevorzuge, für die ich eine Blende von mindestens 8 benötige, spielt die Lichtstärke des Objektives in der Höhle eine untergeordnete Rolle, wenn man über genügend Licht (also Blitze) verfügt.
Für Makro-Fotos setze ich gelegentlich sogar ND-Filter ein (Neutral Density), um den hohen Lichteinfall vor der Linse zu reduzieren (hervorgerufen durch Reflektion am weißen Sinter), denn all zu großen Blendwerte erzeugen auch wieder Fehler in der Abbildung (Stichwort: Kritische Blende).

Im nächten Teil der Reihe:

Weitere Kaufkriterien und einige Informationen, wie man sein Objektiv in der Höhle schützen kann.
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